haben sich doch Tabea und Michaela in ihrem gemeinsamen Blog Post-Kunstwerk ein so aufregendes Thema einfallen lassen, den SONNENDRUCK.
Über 60 kreative Frauen sind dabei; eingeteilt in Gruppen, sollen im Blaudruck 25x25 cm Baumwollstoffe individuell gestalten und zu einem festgelegten Termin versenden.
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Den Blaudruck mit Seidenfarben hatte ich hier ja schon probiert...
Doch das alte, 1842 entwickelte Verfahren des fotografischen Edeldrucks, die Cyanotypie, reizte mich ungemein, bietet sie doch so viel mehr an gestalterischen Möglichkeiten! Aufgelegte Gegenstände oder Foliendrucke werden filigran und fotografisch genau abgebildet, in einem wunderbaren Cyan-Blau!
Meine ersten Tests mit Pflanzen funktionierten auf Anhieb schon so vielversprechend, dass ich es kaum abwarten konnte, mit meinem Sommerpost-Motiv loszulegen.
In meinem Beutel mit alten Stoffen fand sich dieser feine, dicht gewebte Baumwollstoff, sogar mit Monogramm, hatte wohl einmal als Laken in einem Kinderbett gedient. Noch einmal gewaschen, gebügelt, in Quadrate gerissen - fertig zum Beschichten.
Die beiden Cyanotypie-Salze, hier gekauft, habe ich dann nach Vorgabe gemischt, die Lösung in verdunkelter Küche mit dem Pinsel aufgetragen und zum Trocknen auf Zeitungspapier in den Keller gebracht.
Mein Motiv sollte diese schöne Sonne sein, aus einer alten Weltkarte von 1794,
habe den Sonnendruck also wörtlich genommen, aber auch, weil ich ein Faible für diese antiken Sonnen habe, sie strahlen für mich etwas Mütterliches, Beruhigendes aus.
Zudem verdichten sich die feinen Linien dieser Zeichnung zu verschiedenen Grauwerten.
Original - Schwarz-Weiß-Positiv - Negativ
Ein bisschen tricky Bearbeitung war allerdings nötig, bis das Motiv druckfertig war...
Sonnen-Collage
...auf Overheadfolie gedruckt mit meinem guten, alten Canon Tintenstrahldrucker.
Der Hintergrund ist gestaltet mit zu 'Brushes' umgewandelten Stempelabdrücken und der Füllfeder-Schrift meines Vaters, ein Auszug seines einzigen Briefes an mich.
Dann jeden Morgen der sehnsüchtige Blick in den Himmel - doch ich musste noch 10 Tage! nach der Stoffbeschichtung auf den großen Tag warten - endlich Sonne satt!
Dieser große Glas-Bilderrahmen mit Zug-Klemmen erwies sich als ideale Halterung.
Stoffstreifen mit Lösungs-Punkten dienten dem Ermitteln der richtigen Belichtungszeit, und auch der alte Secondhand-Zeitmesser aus Dänemark war im Einsatz.
An diesem Tag reichten 7-8 Minuten völlig aus!
Stoff vor und nach dem Auswaschen
... und hier seht ihr gleich auch einen Fehler! Dass ein Faden beim Belichten drauf lag, ist mir im hellen Sonnenlicht gar nicht aufgefallen...ich find' es auch nicht so schlimm.
Hier wird aber deutlich, welch feine Linien die Cyanotypie doch abbilden kann.
So, und jetzt kommt meine erste bittere Erfahrung:
Es dauerte ewig lang, bis sich im Wasserbad das Bild abzeichnete - bei den ersten Versuchen hat es nur Sekunden gedauert - auch wurde das Weiß nicht richtig hell und das Blau war auch anders, als bei dem Probedruck der Sonne unten!
Meine einzig logische Erklärung: Die beschichteten Stoffe sollten nicht so lang gelagert werden!
Nach 2 weiteren frustrierenden Versuchen habe ich dann alle vorbereiteten Stoffe in normalem Vollwaschmittel wieder ausgewaschen!
Wie gut, dass ich mir bereits neue Chemie besorgt hatte, dieses Mal nicht im Set, sondern in größerer Menge, weil mich diese Technik so begeistert.
Jetzt lacht bitte nicht - ich habe keine Briefwaage - diese kleine Kaufmanns-Laden-Waage ist sehr genau!
Also alles nochmal auf Anfang!
Am nächsten Tag lief alles prima!
Noch ein Tipp, den ich irgendwo gelesen habe: Gibt man den Stoff nach dem Ausspülen in Wasser mit ein paar Spritzern Wasserstoffperoxid 3%, intensiviert sich das Blau!
Nach der Wäsche in PH-neutralem Waschmittel
Aber auch hier habe ich noch eine Erfahrung gemacht: Unter manchen Holzklammern wurde der Rand grünlich!!! Wahrscheinlich enthielt das Holz noch Vollwaschmittel-Spuren!
Nach sofortigem Auswaschen war das Grün wieder Blau.
Kein Stöffchen ist wie das andere!
Natürlich gehören auch Grußkarten zur Sommerpost
... dieses Papier ergab aber nur ein helles Himmelblau, zu weiteren Papiertests fehlte leider die Zeit.
Die Sonnen sind Stempelabdrücke, eingescannt und mit Schrift auf Folie gedruckt...
Die Rahmen sind selbstgemacht, der eine mit dem Pinsel, der andere mit einem Marker, mit Absicht nicht ganz deckend aufgetragen - dann wieder gescannt und auf Folie gedruckt.
So lassen sie sich immer wieder verwenden.
Keine Post ohne Briefmarke!
Der für mich größte Reiz an der Cyanotypie ist, dass auch eigene Fotos blaugedruckt werden können!
Erinnerungen an mein Fotolabor im Keller früher....
Aus den Balkonblumen habe ich diesen Petunien-Ausschnitt gewählt
> b&w Positiv
> Negativ
Mit eingefügter 2017 und 2 Post-Stempel (ich war ja als 2. meiner Gruppe dran) vervielfältigt und auf Overheadfolie gedruckt.
Wie ihr seht, hat es auf einigen Papieren gar nicht geklappt - erst mit dem Dunkelblau war ich zufrieden.
Fertig - und ab ging die Post!
Hoffentlich ist nichts verloren gegangen, denn 2 Rückmeldungen fehlen noch... aber es ist ja Urlaubszeit.
Klar, war alles viel Arbeit, doch hab ich es überhaupt nicht so empfunden.
Dieses Verfahren ist so spannend, macht Riesenspaß, damit bin ich noch längst nicht am Ende!
Jetzt bin ich schon so neugierig auf die Stoffe meiner Gruppe
und die Blau-Erfahrungen der anderen Teilnehmer - anzuschauen in der Postkunst-Sammlung