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Samstag, 5. August 2017

Cyanotypie-Sonnen für die Sommerpost

Dem Aufruf zur Sommerpost 2017 bin ich nur zu gerne gefolgt, 
haben sich doch Tabea und Michaela in ihrem gemeinsamen Blog Post-Kunstwerk ein so aufregendes Thema einfallen lassen, den SONNENDRUCK.
Über 60 kreative Frauen sind dabei; eingeteilt in Gruppen, sollen im Blaudruck 25x25 cm Baumwollstoffe individuell gestalten und zu einem festgelegten Termin versenden. 

Beim Klick ins Bild, geht's zur vergrößerten Ansicht

Den Blaudruck mit Seidenfarben hatte ich hier ja schon probiert...

Doch das alte, 1842 entwickelte Verfahren des fotografischen Edeldrucks, die Cyanotypie, reizte mich ungemein, bietet sie doch so viel mehr an gestalterischen Möglichkeiten! Aufgelegte Gegenstände oder Foliendrucke   werden filigran und fotografisch genau abgebildet, in einem wunderbaren Cyan-Blau! 
Meine ersten Tests mit Pflanzen funktionierten auf Anhieb schon so vielversprechend, dass ich es kaum abwarten konnte, mit meinem Sommerpost-Motiv loszulegen.

In meinem  Beutel mit alten Stoffen fand sich dieser feine, dicht gewebte Baumwollstoff, sogar mit Monogramm, hatte wohl einmal als Laken in einem Kinderbett gedient. Noch einmal gewaschen, gebügelt, in Quadrate gerissen - fertig zum Beschichten.

Die beiden Cyanotypie-Salze, hier gekauft, habe ich dann nach Vorgabe gemischt, die Lösung in verdunkelter Küche mit dem Pinsel aufgetragen und zum Trocknen auf Zeitungspapier in den Keller gebracht.

Mein Motiv sollte diese schöne Sonne sein, aus einer alten Weltkarte von 1794,
habe den Sonnendruck also wörtlich genommen, aber auch, weil ich ein Faible für diese antiken Sonnen habe, sie strahlen für mich etwas Mütterliches, Beruhigendes aus.
Zudem verdichten sich die feinen Linien dieser Zeichnung zu verschiedenen Grauwerten.


Original - Schwarz-Weiß-Positiv - Negativ
Ein bisschen tricky Bearbeitung war allerdings nötig, bis das Motiv druckfertig war...


Sonnen-Collage
...auf Overheadfolie gedruckt mit meinem guten, alten Canon Tintenstrahldrucker.
Der Hintergrund ist gestaltet mit zu 'Brushes' umgewandelten Stempelabdrücken und der Füllfeder-Schrift meines Vaters, ein Auszug seines einzigen Briefes an mich.


Dann jeden Morgen der sehnsüchtige Blick in den Himmel - doch ich musste noch 10 Tage! nach der Stoffbeschichtung auf den großen Tag warten - endlich Sonne satt!
Dieser große Glas-Bilderrahmen mit Zug-Klemmen erwies sich als ideale Halterung.
Stoffstreifen mit Lösungs-Punkten dienten dem Ermitteln der richtigen Belichtungszeit, und auch der alte Secondhand-Zeitmesser aus Dänemark war im Einsatz.
An diesem Tag reichten 7-8 Minuten völlig aus!



Stoff vor und nach dem Auswaschen
... und hier seht ihr gleich auch einen Fehler! Dass ein Faden beim Belichten drauf lag, ist mir im hellen Sonnenlicht gar nicht aufgefallen...ich find' es auch nicht so schlimm. 
Hier wird aber deutlich, welch feine Linien die Cyanotypie doch abbilden kann.


So, und jetzt kommt meine erste bittere Erfahrung:
Es dauerte ewig lang, bis sich im Wasserbad das Bild abzeichnete - bei den ersten Versuchen hat es nur Sekunden gedauert - auch wurde das Weiß nicht richtig hell und das Blau war auch anders, als bei dem Probedruck der Sonne unten!
Meine einzig logische Erklärung: Die beschichteten Stoffe sollten nicht so lang gelagert werden!



Nach 2 weiteren frustrierenden Versuchen habe ich dann alle vorbereiteten Stoffe in normalem Vollwaschmittel wieder ausgewaschen!
Wie gut, dass ich mir bereits neue Chemie besorgt hatte, dieses Mal nicht im Set, sondern in größerer Menge, weil mich diese Technik so begeistert.

Jetzt lacht bitte nicht - ich habe keine Briefwaage - diese kleine Kaufmanns-Laden-Waage ist sehr genau!


Also alles nochmal auf Anfang!


Am nächsten Tag lief alles prima!
Noch ein Tipp, den ich irgendwo gelesen habe: Gibt man den Stoff nach dem Ausspülen in Wasser mit ein paar Spritzern Wasserstoffperoxid 3%, intensiviert sich das Blau!


Nach der Wäsche in PH-neutralem Waschmittel
Aber auch hier habe ich noch eine Erfahrung gemacht: Unter manchen Holzklammern wurde der Rand grünlich!!! Wahrscheinlich enthielt das Holz noch Vollwaschmittel-Spuren!
Nach sofortigem Auswaschen war das Grün wieder Blau.



Kein Stöffchen ist wie das andere!


Natürlich gehören auch Grußkarten zur Sommerpost
... dieses Papier ergab aber nur ein helles Himmelblau, zu weiteren Papiertests fehlte leider die Zeit.
Die Sonnen sind Stempelabdrücke, eingescannt und mit Schrift auf Folie gedruckt... 


Die Rahmen sind selbstgemacht, der eine mit dem Pinsel, der andere mit einem Marker, mit Absicht nicht ganz deckend aufgetragen - dann wieder gescannt und auf Folie gedruckt.
So lassen sie sich immer wieder verwenden.




Keine Post ohne Briefmarke!



Der für mich größte Reiz an der Cyanotypie ist, dass auch eigene Fotos blaugedruckt werden können! 

Erinnerungen an mein Fotolabor im Keller früher....


Aus den Balkonblumen habe ich diesen Petunien-Ausschnitt gewählt 
> b&w Positiv 
> Negativ

Mit eingefügter 2017 und 2 Post-Stempel (ich war ja als 2. meiner Gruppe dran) vervielfältigt und auf Overheadfolie gedruckt.
Wie ihr seht, hat es auf einigen Papieren gar nicht geklappt - erst mit dem Dunkelblau war ich zufrieden.


Fertig - und ab ging die Post!
Hoffentlich ist nichts verloren gegangen, denn 2 Rückmeldungen fehlen noch... aber es ist ja Urlaubszeit.


Klar, war alles viel Arbeit, doch hab ich es überhaupt nicht so empfunden.
Dieses Verfahren ist so spannend, macht Riesenspaß, damit bin ich noch längst nicht am Ende!
Jetzt bin ich schon so neugierig auf die Stoffe meiner Gruppe
und die Blau-Erfahrungen der anderen Teilnehmer - anzuschauen in der Postkunst-Sammlung


Mittwoch, 24. Mai 2017

Heute mal geknotet und Sunprint-Mandala

Woche 4 mit Bändern und Knoten im Muster-Mittwoch
Bisher hatte ich ja nur gebändert - vielleicht sind mir Knoten auch nicht so sympatisch, vor allen Dingen dann, wenn sie zu fest sind und ich sie nicht auffummeln kann, zum Beispiel bei schönen Geschenkbändern, die ich nicht aufschneiden will...



Lang schon wollte ich wieder einmal Sunprints machen, auch auf unterschiedlichen Stoffen testen. Erst einmal hatte ich es im letzten Sommer beim Paradiesbuch-Cover probiert - warum nicht auch mal mit Knoten als Muster...

Gleich vorweg: 
Mit den verknoteten Kordeln oben klappt diese Technik nicht, sie liegen nicht plan genug auf, sodass das Ergebnis ziemlich konturenlos wird, wie rechts zu sehen ist.

Karton ginge zwar auch, aber Ideal sind Schablonen aus Kunststoff, die durch die flüssige Farbe nicht aufweichen können. Also habe ich mir einen dekorativen Knoten ausgesucht und aus Folie geschnitten. So habe ich auch gleichzeitig einen ersten Beitrag für die Papierliebe am Montag, wo Susanne in diesem Monat Scherenschnitte sammelt.




 Und so geht's:

Auf einer wasserundurchlässigen Unterlage wird der Stoff mit Farbe getränkt.
Ich habe Johannas Tipp mit der Seidenmalfarbe aufgegriffen und meine uralten Javana Bügelfarbenreste, bestimmt schon 30 Jahre alt, hier verbraucht. Die Schraubgläser hebe ich auf zum Farbenmischen.

Dann werden die Schablonen flach aufgelegt, manche Stellen fixiere ich noch mit Stecknadeln. Dann ab auf die Fensterbank, jetzt darf die Sonne arbeiten, die den Stoff trocknet. Dabei wird von den abgedeckten Bereichen die Feuchtigkeit, und damit auch die Farbe, abgezogen, sodass sich diese Stellen später hell abzeichnen. Es funktioniert auch, wenn die Sonne nicht scheint, dauert nur länger.




Der schönste und spannendste Moment kommt immer dann,
 wenn alles trocken ist und die Schablonen abgehoben werden.


Weiberknoten-Sunprints auf verschiedenen Stoffqualitäten:
links oben: dünnes Bettlaken, unten: altes Leinen, rechts oben: sehr locker gewebte Rohseide. Sind die Gewebe sehr locker, trocknet der Stoff wesentlich schneller und demzufolge wird das Schablonenmuster nicht so hell. Auch eine neue Erfahrung!


Ja, was mache ich nun mit meinen Stoffproben?
Hier habe ich sie schon mal digital zusammen gestickt.















Und weil's gerade Montag war, lag es nahe, mein Montags-Mandala auch in dieser Technik zu legen.
Aus Folienschnipseln schnell noch ein paar Elemente und Kreise geschnitten - probeangeordnet und und einen Sunprint gemacht. Ich weiß gar nicht, ob Mandalas eigentlich vergänglich sein müssen...?     Egal, die Knoten gehen jetzt zu Michaelas Sammelliste.

Sonnendruck-Mandala Nr. 19


Mittwoch, 28. September 2016

Bücher 4 - Buch-Einbände alt und neu

Der Bücher-Monat beim Muster-Mittwoch geht in die letzte Runde...
... und bei mir gibt es diese Woche wieder ein paar Buch-Cover, auch, weil ich ja noch mit dem Einband meines Paradies-Buches beschäftigt war.
Ganz edle Bücher waren damals, wie auch heute, mit Leinen oder auch Leder bezogen, aber die 'einfachen' Einband-Papiere finde ich viel spannender.
So habe ich mal geschaut, was bei mir so herumsteht...


Dieses Krakelee-Papier findet sich häufig in verschiedenen Farben. Könnte es geknülltes Kleisterpapier sein? Kennt jemand die Technik für die Herstellung?
- Klick -




Der kleine Rosengarten ist schon recht zerfleddert  (auf der Rückseite noch intakt) - 
aber ich mag das Muster sehr.


Da das Paradies-Buch ja ein ganz besonders wertvolles Buch ist, sollte es auch einen Stoff-Einband erhalten. Zunächst wollte ich einen Gelli-Print auf altem Leinen versuchen, doch nun habe ich einfach die Sonne drucken lassen, habe zum ersten Mal einen Sun-Print ausprobiert. Johanna hatte mich 'angefixt' - wie's geht, hat sie hier in ihrem Blog toll beschrieben.
Mit echten Robinien hatte ich ja 2 Buchseiten gedruckt, die Schablone sollte nun die Verbindung schaffen.


Neue Buchdeckel 
- außen Sun-Prints und innen Ausschuss-Gelli-Prints


... festgehalten im Muster-Mittwoch-Sketchbook


Reste vom Beziehen...


Zum Buch-Binden bin ich noch nicht gekommen, stehen doch zum Monatsende immer diverse Projekt-Deadlines an, außerdem wollen noch ein paar Zusatzseiten gearbeitet werden, Collagen aus den Postbeigaben. Das schöne Buch-Thema bleibt mir also noch erhalten.



Meine Paradiesbuch-Cover-Vermusterung schicke ich zur Linkliste und zum Muster-Mittwoch
und will gleich mal schauen, was den anderen diese Woche so eingefallen ist.